top of page

Figurentheater und Kammermusik als Einheit: Schauspielerin Janna Mohr und Komponistin Helena Winkelman gestalten mit dem franz ensemble Grillparzers Novelle neu und erzählen die skurrile Lebensgeschichte eines tragischen Clowns, der an seinem genauso noblen wie unpraktischen Idealismus zu Grunde geht.

Beethovens Septett op. 20 steht am Beginn des Abends.

Klänge, Notenständer, Instrumententeile und Schatten verselbstständigen sich und wachsen zur Kulisse eines turbulenten Volksfestes zusammen. Dort entflammt Grillparzers „anthropologischer Heißhunger“ beim Anblick eines alten Knaben, der lächelnd in sein fürchterliches Geigenspiel vertieft ist. Das Stück ist verspielte Liebesgeschichte und Gesellschaftsstudie zugleich – was in der Musik reflektiert wird, die viele Anleihen von alten Wienerliedern und Tänzen aufnimmt. Sie erweckt einerseits Grillparzers Zeit (und damit auch die Schuberts) zum Leben und erlaubt andererseits einen maximalen Kontrast zu den neu komponierten Klängen, die mal Wasserflut, mal einsame Nachtwanderung, mal agitierte Rede, mal Ohrfeigenszene darstellen.

 

Eröffnet wird der Konzertabend mit dem Septett op. 20 von Beethoven, das ebenfalls unverkennbare Anklänge an seine Entstehung in Wien in sich trägt.

 

 

PROGRAMM:

Ludwig van Beethoven

Septett op. 20

 

Helena Winkelman

Der arme Spielmann (UA)

Auftragswerk des franz ensemble

Komposition: Helena Winkelman

Spiel und Konzept: Janna Mohr

Regie: Sebastian Ryser

Ausstattung: Moritz Schönbrodt

franz ensemble

Violine: Glenn Christensen

Viola: Yuko Hara

Violoncello: Tristan Cornut

Kontrabass: Juliane Bruckmann

Klarinette: Maximilian Krome

Horn: Pascal Deuber

Fagott: Rie Koyama

Helena Winkelman gilt als eine der interessantesten und vielseitigsten Musikerpersönlichkeiten der Schweiz. Neben ihrer vielfach ausgezeichneten Arbeit als Solistin und Kammermusikerin komponiert sie seit ihrem Studienjahr in New York (1998) und mittlerweile werden ihre Werke auf der ganzen Welt gespielt - u.a. vom Arditti Quartett, Steamboat Switzerland, dem Ensemble Phoenix oder dem Münchener Kammerorchester.

Nach ihrer Rückkehr in die Schweiz 1998, schloss sieihr Violinstudium mit Auszeichnung ab und begann während 5 Jahrenbei Roland Moser und Georg Friedrich Haas in Basel Komposition zustudieren. In Seminaren und Meisterkursen lernte sie von György Kurtag, Gidon Kremer und Beat Furrer. Grossen Einfluss auf ihr musikalisches Schaffen hatten auch der Kammermusikunterricht bei Eberhard Feltz, der Unterricht beim Perkussionisten Pierre Favre und die Zusammenarbeit mit Claudio Abbado als Mitglied des Lucerne Festival Orchestra (2005-2008). Als Empfängerin des Pro Musicis Award in Paris gab sie ihr Debut in Carnegie’s Weill Recital Hall in New York und in der Salle Cortot in Paris.Ihr Repertoire umfasst zurzeit über 450 bedeutende Werke der Violin-und Kammermusikliteratur und als künstlerische Leiterin der Basler Kammermusikformation Camerata Variabile gilt ihr grösstes Engagement der Aufführung und Vermittlung von neuer Musik. 2014 war Helena Winkelman COMPOSER IN RESIDENCE am Lockenhaus Festival, 2016 erhielt sie den Georg Fischer Preis der Stadt Schaffhausen und 2017 den Schweizer Musikpreis. Sie erhielt KOMPOSITIONSAUFTRÄGE der Harvard Musical Association Boston, Pro Musicis Paris, der Sinfonietta Basel, der IGNM Basel, dem Internat. Musikfestival Davos, dem IMS-Kammermusikfestival England, der Kammermusikgesellschaft Basel, dem Lucerne Festival, dem Menuhin Festival Gstaad, dem Symphonieorchester Basel, dem Zeitkunstfestival in Berlin, dem Basler Kammerorchester, der Pro Helvetia, dem Alpentöne - Festival sowie von vielen Schweizer Ensembles und MusikerInnen. Unterdessen umfasst ihr Schaffen von Solostücken über Kammermusik bis zu Chor- und Orchesterwerken alle Gattungen. Ihr Herausgeber ist der Schweizer Verlag Editions BIM. 2010 wurden ihre beiden Operneinakter Extravagancia und Satanica (Texte von Rafael Spregelburd) im Teatro Colon, Buenos Aires und später im Gare du Nord Basel uraufgeführt. Viele Ihrer Werke wurden von Deutschlandradio Kultur und SRF2 aufgenommen und CD Einspielungen ihrer Werke liegen vor bei Claves, Musiques Suisses und Genuin.

Janna Mohr wurde in Zürich geboren und wuchs dort in einer Musikerfamilie auf. Nach Abitur und Austauschjahr in Costa Rica absolvierte sie eine Lecoq-Bewegungstheater-Ausbildung in Brüssel. Mit einem Förderpreis des Migros-Kulturprozent gönnte sie sich im Anschluss eine Improvisationstanz-Weiterbildung. Gemeinsam mit Komiliton*innen aus Brüssel gründete sie die Compagnie "Ausartung", mit welcher sie auf Straßentheatertournee ging, Workshops in Flüchtlingsunterkünften durchführte und an diversen Festivals spielte. 2014 machte sie ein fünfmonatiges Praktikum beim Zentrum des Theater der Unterdrückten in Rio de Janeiro und reiste anschließend durch Brasilien auf den Spuren von Augusto Boal und ihrer Leidenschaft Capoeira.
Zurück in der Schweiz arbeitete sie als Theaterpädagogin und Regieassistentin am Jungen Schauspielhaus Zürich, leitete mehrere Forumtheatergruppen und belegte an der Universität Bern Veranstaltungen in Theaterwissenschaften und Sustainable Development. Auf diversen Reisen gab sie Theaterworkshops in 16 Ländern. 2016-2018 war sie fest angestellte Theaterpädagogin am Theater im Marienbad in Freiburg, wo sie ihre große Liebe für Puppen- und Objekttheater entdeckte.
2018-2022 studierte sie Zeitgenössische Puppenspielkunst an der HfS Ernst Busch und war Stipendiatin der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Seither spielte sie in diversen Produktionen mit, u.a. am Gran Teatre del Liceu in Barcelona unter der Regie von William Kentridge. 

Seit der Spielzeit 22/23 ist sie fest am Theater Orchester Biel Solothurn als Puppenspielerinund Co-Leiterin des Junge Theaters Solothurn.

 

Janna Mohr fühlt sich pudelwohl im subversiven und skurrilen Universum animierter Dinge. Mit ihrer Arbeit möchte sie außergewöhnliche Räume für ästhetische und gesellschaftliche Forschung kreieren, Kommunikationsmöglichkeiten ausloten und bereichernden Perspektivenaustausch fördern.

Unterstützt durch

PRH_CD_RGB_magenta_DE_LOGO.png
bottom of page